Wie ist das eigentlich mit Kleidung und Nachhaltigkeit?

Kleidung und Plastik, Mode und Ethik, Mode und Ökologie –auch über unseren Umgang mit Textilien haben wir Einfluss auf unsere Mit- und Nachwelt. Aus welchem Material und mit welchen Farben werden die Stoffe hergestellt, wer näht unsere Kleidung? Preisgünstig und chic soll Mode sein. Die Modeindustrie bedient sich daher oft billiger Arbeitskräfte und kaum kontrollierter Arbeitsbedingungen der Entwicklungsländer. Vergiftungserscheinungen der Färber, Staub-Lungen der Arbeiter, die unsere Kleidung für den beliebten Used-Look mit Sand strahlen, überlange Arbeitszeiten der Näherinnen für einen Akkordlohn, für den wir selbst kaum ein Ei erstehen würden, nicht zuletzt Kinderarbeit…

Auf den Baumwoll-Plantagen und beim Färben der Stoffe werden Unmengen an Giften eingesetzt, die oft ungeklärt in den Flüssen landen. Die Herstellung der erdölbasierten Synthetikfasern verbraucht unsere begrenzten Rohstoffe und viel Energie. Ein Blick auf‘s Etikett lohnt sich: Hinter Begriffen mit der Silbe „Poly-“ und Abkürzungen mit „P…“ wie z.B. PA oder PE versteckt sich schlicht Plastik. Und bei jedem Waschgang verlieren diese Synthetik- und Mikrofasern unserer Kleidung oder von Kuscheldecken hunderttausende von winzigen Kunststoff-Fasern, die die Kläranlagen kaum herausfiltern können. Auch deshalb sind die Mikroplastikteilchen inzwischen in offenen Gewässern und Meeren zu finden. Zusätzlich landen sie über den Klärschlamm auf unseren Feldern und über die Nahrungskette auf unseren Tellern.

Unsere Empfehlungen:

  • Kunstfasern in Kleidung und anderen Textilien in Zukunft möglichst vermeiden. Die meisten Kunstfasern sind erdölbasiert und nicht abbaubar. Stattdessen auf Naturfasern wie (Bio-)Baumwolle, Viskose oder Lyocell / Tencel (Zellstoffe), Wolle, Leinen und Hanf achten.
  • Beim Neukauf auf den Used-Look verzichten – der entsteht durch längeres Tragen auf natürliche Weise von selbst.
  • Qualität statt Quantität: Weniger und dafür hochwertige Kleidungsstücke möglichst mit Bio-Siegel kaufen, die man lange nutzen kann. Auf sogenannte „Fast Fashion“ zu Schleuderpreisen verzichten: Wir alle möchten einen angemessenen Lohn für unsere Arbeit!
  • Weniger ist mehr: Brauchen wir wirklich wieder etwas Neues? Und alles, was wir nicht mehr tragen möchten, bitte nicht wegwerfen, sondern verschenken (z.B. an die Diakonie) oder verkaufen. Wir wollen – sobald Corona es wieder zulässt – Kleider-Tauschpartys veranstalten. Auch so können wir uns an einem schicken neuen Teil erfreuen!
  • Kleidung reparieren oder umändern (lassen), sich in Second-Hand-Läden oder auf entsprechenden Online-Plattformen wie z.B. Momox oder Vinted umschauen.
  • Umweltfreundlich waschen: Nur waschen, wenn es nötig und die Maschine wirklich voll ist. Dabei Bio-Waschmittel verwenden und die Waschtemperatur möglichst reduzieren.
  • Keinen Weichspüler verwenden: Die Zugabe von Weichspüler vergrößert die Menge an Fasern, die ans Wasser abgegeben werden. Zudem ist Weichspüler schädlich für Wasser- und Bodenorganismen.

23.04.2021 Von Rita Kotschenreuther und Hildegard Zimmer